MOTIVE. Kunst von Inhaftierten + Geschichte der Frauenkriminalität

Verlängert bis 9. März!

Die Werke aus der Justizvollzugsanstalt für Frauen Vechta entstanden 2020-2023 im Atelier für künstlerische und kunsttherapeutische Intervention unter der Leitung von Teréz Fóthy. Ziel war es, die Schwierigkeiten der Frauen zu erkennen, sie anzuerkennen und ihnen durch das Malen einen Wandlungsprozess nachhaltig sichtbar und erfahrbar zu machen. Gefühle und Handlungen werden wahrgenommen und durch NEUES Verhalten und Erleben erweitert. Die Teilnehmerinnen erarbeiten sich ein stärkendes Selbstbewusstsein. Das künstlerische Gestalten löst die Teilnehmerinnen aus ihrem „Eingeengt-Sein“ in ihrer festgeschriebenen Rolle heraus und führt sie mit Hilfe alternativer Lösungsvorschläge zu neuen Erfahrungen und Ansichten. Bei den Arbeiten handelt es sich teilweise um die „Übermalung“ bzw. „Überschreibung“ des oftmals voyeuristischen Männerblicks auf die Rolle der Frau. Mit sehr persönlichen Neufassungen bekannter Gemälde wie Phryne vor den Richtern von J.L. Gérôme, Susanna im Bade von Corinth, „Frühstück im Grünen“ von Manet oder dem „Ursprung der Welt“ von Courbet sind neue Interpretationen aus Frauenperspektive entstanden. Mit dem Übermalen lösen sich die Malenden aus einengenden Verhaltensmustern und erarbeiten sich alternative Handlungsstrategien.

Im historischen Teil werden Einblicke in die Frauenkriminalität gezeigt. Ausgehend von der Frage, ob es frauentypische Delikte gibt, geht es darum, welches abweichende Verhalten zu welchen Zeiten vor Gericht kommt. Gewalt- und Eigentumsdelikte galten immer als Verbrechen, Sittlichkeitsdelikte lediglich in bestimmten Epochen. Wie kam es, dass Schicksale als ledige Mutter oder als Prostituierte kriminalisiert wurden? Frauen wurden in früheren Jahrhunderten nicht von der Justiz geschont. Kindsmörderinnen und Frauen, die als Männer auftraten und eine Frau heirateten, wurden in früheren Jahrhunderten zur Abschreckung hingerichtet. Später beschäftigte sich die Justiz verstärkt mit der Prävention, d.h. der Vermeidung von Verbrechen. Biologistische Argumente rund um die unzurechnungsfähige weibliche Psyche mochten Strafen mildern, stärkten aber ein Frauenbild, das auf weiblicher Schwäche basierte. Über Jahrhunderte kamen Ehrenstrafen am häufigsten vor. Frauengefängnisse wurden erst im Laufe des 19. Jahrhunderts errichtet. Dort sollten die verurteilten Frauen „gebessert“ werden, indem sie diszipliniertes Arbeiten lernten. Im modernen Strafvollzug ist die soziale Integration in ein straffreies gesellschaftliches Leben das oberste Ziel.

Im dritten Teil der Ausstellung präsentieren Künstlerinnen Installationen zu Kriminalität und Gefängnis. Beteiligt sind Daniela Flörsheim/Semra Sanliünal, Regina Hellwig-Schmid, Consuelo Méndez Burneo, Lucia Meurer, Neringa Naujokaite, Monika Ortmann, Beate Passow, Marianne Pitzen, Tina Schwichtenberg, Webellin. Dazu zeigen wir ausgewählte Positionen unserer Sammlung, kuratiert von Silke Dombrowsky, M.A. Curt Delander stellt Prominente Strafgefangene wie Vera Brühne vor.

Kuratorinnen: Bettina Bab, Historikerin + Ellen Junger, B.Sc. + Teréz Fóthy, M.A., M.A.

Vernissage: 25.11. | 14 Uhr | Eintritt frei, Spenden erbeten

Frauenbewegungen 1865 _ 1971 _ 2006

ab 8. März 2024

Als Startschuss der ersten Frauenbewegung gilt die Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins 1865, der sich das Recht auf Bildung und Erwerbsarbeit auf die Fahnen schrieb. Um 1900 nahmen fortschrittliche Frauenrechtlerinnen einen weiteren Schwerpunkt in den Katalog ihrer Forderungen: das aktive und passive Wahlrecht. 

Die „Neue“ Frauenbewegung entstand im Kontext breiter Proteste gegen den §218. Junge Frauen aus der ganzen BRD schlossen sich zusammen, um für Selbstbestimmung, das Recht auf ihren Körper, eine Frauenöffentlichkeit und gegen Gewalt von Männern zu kämpfen. 

Seit der Jahrtausendwende entwickelte sich eine dritte feministische Welle. Ausgehend von der Dekonstruktion der biologischen Geschlechter plädiert sie für plurale Genderkonzepte und selbstbestimmte geschlechtliche Identitäten.

Kuratiert von Bettina Bab.

 

Vernissage am Freitag, 8. März um 17 Uhr. Eintritt kostenlos, Spenden erbeten.

Einsatz für das Leben: Hebammen weltweit

1. – 20. März 2024

Eine sichere Geburt ist keine Selbstverständlichkeit. Es sollte ein Menschenrecht sein! Durchschnittlich sterben jedoch weltweit über 800 Frauen pro Tag aufgrund von Komplikationen während der Schwangerschaft oder der Geburt. Dies gilt vor allem für Länder mit geringem Einkommen und unzureichender medizinischer Versorgung. So hat Côte d´Ivoire eine der höchsten Müttersterblichkeitsquoten weltweit.

Essenziell für eine sichere Geburt sind Hebammen. Sie begleiten werdende Mütter medizinisch, und stehen ihnen vor, während und nach der Geburt zur Seite. Die Wanderausstellung von CARE portraitiert sechs Frauen aus Côte d’Ivoire, Irak, Kambodscha, Uganda, Ukraine und Deutschland: sechs Orte, an denen Leben unter oft schwierigen Bedingungen beginnt. Jede der sechs Frauen hat ihre eigene, persönliche Geschichte. 

Vernissage am Freitag, 8. März um 16 Uhr. Eintritt kostenlos, Spenden erbeten.

beyond algorithms_digital utopia

7. April – 17. November 2024

An der Schnittstelle von zeitgenössischer Kunst, Wissenschaft und gesellschaftlicher Teilhabe ist die Ausstellung beyond algorithms_digital utopia ein geschlechterkritischer Beitrag zur digitalen Transformation moderner Gesellschaften. 

Mit Arbeiten der Konkreten Künstlerin Rune MIELDS (Köln), der Pionierin computerbasierter Kunst Vera MOLNAR (Paris) und der Cyberfeministin Cornelia SOLLFRANK (Berlin) unterstreicht die Präsentation die kunsthistorische Bedeutung dieser drei vielfach ausgezeichneten Künstlerinnen, die auf ganz eigene Weise hinter die Algorithmen schauen.

Konkret

Rune Mields (*1935) verwandelt Grundrechenarten und Algorithmen in konstruktiv-konkrete Bilder. In vielteiligen Werkgruppen übersetzt sie seit Ende der 1960er Jahre Zahlensysteme in Zeichnung und Malerei. Präzises, mit der Hand ausgeführtes Sichtbarmachen ist für Mields profunde Methode des Begreifens.

Digital

In den ausgehenden 1960er Jahren ist Vera Molnar (1924 – 2023) die erste Konkrete Künstlerin, die Bilder auf dem Computer generiert. Später entwickelt sie zusammen mit ihrem Mann die Software MolnArt, die als Meilenstein der Computerkunst gilt. In ihrer Auseinandersetzung mit Linien und der klaren, geometrischen Form des Quadrates ist die Gleichzeitigkeit von Ordnung und Störung grundlegend für ihr Werk. Die Ästhetik des Fehlers zeichnet ihre Kunst aus.

Visionär

Die Netzkunst-Pionierin Cornelia Sollfrank (*1960) entblößt mittels digitaler Techniken sowie Social Hacking gesellschaftliche Machtstrukturen. Auf künstlerisch-subversive Weise fordert sie traditionelle Vorstellungen von Autorschaft heraus. Ihr Net Art Generator versetzte 1997 die Hamburger Kunsthalle mittels automatisierter Erzeugung netzbasierter Arbeiten in helle Aufregung und ist ikonografisches Werk technofeministischer Aneignung des Kunstraumes.

Dazu geben internationale wie intersektionale Vertreter*innen jüngster Tendenzen einen Einblick in visionäre, virtuelle Realitäten. Versammelt sind Positionen aus dem Bereichen Artificial Intelligence (AI), Code Art, Memes und Augmented Reality (AR).

Der in die Ausstellung integrierte, interdisziplinäre OPEN SPACE ist Aktionsfläche für den Austausch mit und zwischen den Communities der Hacker*innen & Haecksen, Netzaktivist*innen, Künstler*innen und Besucher*innen. Er ist zugleich identitätsstiftender Raum im Sinne historischer Erinnerungskultur und informiert über Pionierinnen wie aktuelle Frontfrauen der Mathematik und Informatik.

Mit art + apéro – Veranstaltungsprogramm. Kuratiert von Silke Dombrowsky M.A. und Ellen Junger im Team mit Gastkuratorin Sarah Gulik.

Gefördert von

VIVA LA VIDA

6. April – 1. Mai 2024

Fünf befreundete Künstler*innen aus vier Ländern hatten die Idee, ein gemeinsames Thema zu bearbeiten und das Resultat im jeweiligen Land der Künstler*in auszustellen.

So entstand das Kunstprojekt VIVA LA VIDA, das aufzeigt, wie sich Künstler*innen in ihrem Land mit dem Thema älter werden und alt sein auseinandersetzen und dabei als Kunstschaffende dem Leben Freude abgewinnen. 

Daniela Flörsheim, Deutschland, zeigt kubanische Lebensfreude in farbigen Bildern.

Biggi Slongo, Schweiz, lässt Federn fliegen und zeigt in ihren Installationen, wie Äpfel eine Lebensgeschichte erzählen.

Mirko P. Slongo, Schweiz, entführt uns mit seinen surrealistischen Werken auf eine Reise in die Fantasiewelt

Bettina Schröder, England, sagt in ihrer Performance „Yes“ zum Leben

Alfredo Martirena,  Kuba, der kürzlich erneut preisgekrönte Künstler, lässt uns schmunzelnd vor seinen Karikaturen stehen.

 VIVA LA VIDA – ein Blumenstrauss an Vielfältigkeit, mal tiefgründig, mystisch, mal verspielt aber auch witzig und satirisch – zeigt auf wie spannend und zauberhaft, reife Kunstschaffende das Leben empfinden.

Vernissage 6. April | 18 Uhr